Fahrzeugchronik der DL 25 "Georg"

Das Auswahlverfahren anno 1954

Am Mittwoch, den 28.4.1954 vormittags 9:30 Uhr wurde die Mercedes Benz und Magirus Feuerwehrdrehleitern am Westertorplatz vorgeführt. Infolge der Zeitungsnotiz waren zahlreiche Zuschauer erschienen. Die Leitern wurden ausgezogen und durch wiederholtes besteigen jeweils eingehend überprüft.

So dann begab man sich um 10:30 Uhr ins Rathaus wo anwesend waren.

a, die Stadtratsmitmitglieder

b, Führungskräfte der Feuerwehr

In einstündiger Besprechung wurde das Für und Wider der beiden Fabrikate erörtert. Schließlich stellte man als Hauptvorteil raus:

Die Metz Mercedes Drehleiter ist bis zu ihrem obersten Teil ( 25 Meter) breiter und hat ein höheres Geländer, wodurch für die zu retten Personen – aber auch für den Steiger – Das Gefühl der größeren Sicherheit erzielt wird.

Die geheime Abstimmung mit Zetteln ergab unter 15 Feuerwehrleuten eine Mehrheit für das Fabrikat Metz .

Die vom Oberbürgermeister veranlasste offene Abstimmung der anwesenden Stadträte gab einstimmig den Entscheid zugunsten der Drehleiter Fabrikat Daimler Benz Metz.

Bestellung

Am 28. April 1954 wurde die Mercedes-Benz Metz-Kraftfahr-Drehleiter, vollautomatisch mit 100 PS Motor gemäß dem Angebot …..
für 51.818,60 DM bestellt.

Lieferfrist 3 Monate

gezeichnet Dr. Berndl

Oberbürgermeister der Stadt Memmingen

Memminger Zeitung vom 29. April 1954

Metz – Mercedes macht das Rennen

Die Feuerwehr erhält nun ihre neue vollautomatische Drehleiter

Nach drei Vorführungen, genauen Prüfungen und langen Besprechungen ist nun die Entscheidung gefallen: die Freiwillige Feuerwehr der Stadt Memmingen erhält eine vollautomatische Drehleiter der Firma Metz, die auf einem Mercedes – Benz – Fahrzeug montiert ist. Die Entscheidung fiel gestern nach eingehender Beratung zwischen Oberbürgermeister Dr. Berndl, zahlreichen Stadträten und den Verantwortlichen der Memminger Feuerwehr.

Vorausgegangen war dieser Beratung eine gemeinsame Vorführung der beiden Fabrikate Metz- Mercedes und Magirus auf dem Westertorplatz. Von so vielen kritischen Augen wie gestern waren die beiden Leitern, die in den letzten Wochen bereits einzeln vorgeführt worden waren, wohl noch kaum begutachtet worden. Überall standen Gruppen von Feuerwehrmännern und Stadträten zusammen und wägten Vorteile und Nachteile der beiden Fabrikate gegeneinander ab. Oberbürgermeister Dr. Berndl ließ sich von Angehörigen der Memminger Feuerwehr die beide Leitern mehrmals besteigen mussten und die auf eine viele Jahre lange Erfahrung als „Steiger“ bei der Wehr zurückblicken können, deren Meinung über die beiden Leitern sagen.

Nach mehr als einstündiger Begutachtung zogen sich die Verantwortlichen zurück, um in geheime Abstimmung dann die endgültige Entscheidung zu treffen. Die neue Leiter, auf einem 100 PS starken Fahrzeug montiert, ist bei vollem Auszug 25 Meter lang und nach allen Seiten schwenkbar. Zum Fahrzeug wurden auch gleich alle notwendigen Gerätschaften, wie Handfeuerlöscher, Handscheinwerfer und ähnliches angeschafft. Und der Preis? Auf den Pfenning 51.818,60 DM.

Auslieferung

Am 21. August 1954 wurden die Kameraden bei der Firma Metz Mercedes in Karlsruhe in die Technik der neuen Drehleiter eingewiesen. Nach der Einweisung wurde das Fahrzeug nach Memmingen überführt.

Auszug aus der Feuerwehr Chronik des Kdt. Georg Allgöwer
Memminger Zeitung vom 2. Oktober 1954

Drehleiter stellt sich vor

Die neue, nach den letzten Erfahrungen im Feuerlöschwesen hergestellte, vollautomatische Drehleiter der freiwilligen Feuerwehr Memmingen, stellt sich der Bevölkerung morgen Nachmittag um 15:30 Uhr auf dem Marktplatz vor. Die Bevölkerung wird sich bestimmt sehr für die neue Leiter interessieren. – Kurz danach werden auf dem Hof der Berufsschule die neusten Schutzanzüge gegen Hitze und Feuer vorgeführt. Die Feuerwehrmänner werden in diesen Anzügen durch meterhohe Flammen stapfen.

Indienststellung der DL 25 vor dem Rathaus
DL 25 vor dem Rathaus, 2 Kameraden stehen
im Leiterpark
Indienststellung DL 25
Hugo Allgöwer am Bedienstand der DL25
Indienststellung DL 25
Hugo Allgöwer und 2 Kameraden
Am Josefstag, den 19. März 1955 wurde die neue Drehleiter zum ersten Mal bei einem Brand eingesetzt.

Am Samstag früh gegen 08:00 Uhr wurde sie alarmiert und auf den Schrannenplatz gerufen. Im Dachboden des Weinhauses zum Löwen hatte der Fehlboden Feuer gefangen. Die Feuerwehr setzte zur Bekämpfung des unter dem Boden schwelenden Feuer erstmals ihre neue Drehleiter ein. Der Fußboden musste auf einer Fläche von 12 bis 15 Quadratmeter rausgerissen werden, um an alle gefährlichen Stellen heranzukommen. Wenn das Feuer eine halbe Stunde später bemerkt worden wäre, hätte zumindest das Dachgeschoss des Hauses nicht mehr gerettet werden können.

So ein Bericht der Memminger Zeitung

DL 25 in der Basilika Ottobeuren

In unserem Bilderarchiv befinden sich Bilder auf denen sich unsere DL25 zu Arbeiten in der Basilika Ottobeuren befindet. Da in unseren Reihen keine Zeitzeugen mehr zur Verfügung stehen, haben wir versucht den ungefähren Zeitpunkt und den Zweck dieser wohl einzigartigen Aktion zu recherchieren. Nach unserer derzeitigen Erkenntnis, wurde in der Benediktinerabtei Ottobeuren seit den fünfziger Jahren Instandsetzungsarbeiten zur Sicherung der Bausubstanz und Außenrenovierungen durchgeführt. Eine Innenrenovierung wurde aus Geldmangel zurückgestellt.

Abt Vitalis Maier suchte deshalb nach Fürsprecher, um für die 1964 anstehende 1200 Jahrfeier auch das Gotteshaus und die Abtei im Inneren wieder im neuen Glanz erscheinen zu lassen. 1960 fand er mit dem Fürsten von Waldburg-Zeil einen aufmerksamen Zuhörer. Von nun an, nahm der Herzenswunsch von Abt Vitalis Fahrt auf. Am 10. April 1961 wurde in Ottobeuren die „Vereinigung der Freunde der Benediktinerabtei Ottobeuren e.V.“ gegründet. Zweck des Vereins ist mitzuhelfen, „das geistes- und kunstgeschichtliche Erbe der Benediktinerabtei Ottobeuren zu bewahren, zu pflegen und weiten Kreisen zugänglichen zu machen“.

In den nächsten 3 Jahren wurden Spenden von Privatpersonen, Firmen und Institutionen durch den Verein gesammelt. Auch mit Zuschüssen vom Freistaat Bayern, einem Zuschuss des Landes Baden-Württemberg und aus Zuschüssen des Bundes wurde die Renovierung finanziert.

Die unter Leitung des Leutkircher Konservator Josef Lutz durchgeführte Innenrenovierung begann im Spätherbst 1961 und dauerte bis Anfang 1964.

Aus diesem Zeitraum stammen vermutlich die Aufnahmen mit unserer Drehleiter in der Basilika. Bei dem Zweck des Einsatzes dürfte es sich um Restaurierungsarbeiten an schwer zugänglichen Stellen handeln. Aus Überlieferungen wissen wir, dass vor dem Hauptportal der Basilika eine Rampe aufgebaut wurde, damit die Drehleiter in das Kirchenschiff einfahren konnte. Im Bereich der Portaltüren seien zwischen Fahrzeug und Gebäude nur wenige Zentimeter für die Durchfahrt zur Verfügungen gestanden. Dieser einmalige Arbeitseinsatz dauerte mehrere Tage, während dieser Zeit verblieb die Drehleiter in der Basilika.